DGHT-Pressemitteilung  


(03.04.2013) SPD positioniert sich gegen Wildtierhaltung

In einem Antrag an den Deutschen Bundestag setzt sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands für ein Ende der Wildtierhaltung in Deutschland ein. Der Import von Reptilien und Amphibien soll laut Drucksache 17/12386 vom 19. Februar 2013 gänzlich verboten werden. Das Positionspapier nutzt diverse Vorwände, um ein Importverbot zu rechtfertigen wie beispielsweise eine hoch stilisierte Infektionsgefahr durch Exoten.

Fakt dagegen ist, dass nur bei unsachgemäßem Umgang mit Terrarientieren Infektionserreger übertragbar sind. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat dagegen schon im vergangenen Jahr eine entsprechende Aufklärungskampagne initiiert. Befremdlich mutet auch an, dass die Gefahr ausgesetzter Tiere, welche zu einer so genannten Faunenverfälschung führen kann, für Mitteleuropa erheblich übersteigert dargestellt wird und als vermeintliche Grundlage für ein innergemeinschaftliches Handelsverbot bemüht wird.

Gerade hier weisen Untersuchungen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) nach, dass wirbellose Tiere (Spinnen, Insekten, Weichtiere und Wurmarten) den mit Abstand größten Anteil der tierischen Neubürger darstellen, sich z. B. aus der Gruppe von Amphibien und Reptilien nur eine einzige Art in Deutschland etablieren konnte. Aus menschlicher Haltung entwichene Tiere stellen als Faunenverfälscher eine verschwindend geringe Gefahr im Verhältnis zu den selbstständig neu eingewanderten bzw. durch den Warentransport eingeschleppten Arten dar.

Die SPD möchte weiterhin sämtliche Terraristikbörsen in Deutschland verbieten.

Gerade auf Terraristikbörsen bieten viele private Tierhalter und erfolgreiche Züchter dieser Tiergruppen ihre mit Sachkunde vermehrten Nachzuchten an. Diese Tiere sind in der Regel viel gesünder, weniger gestresst und somit unproblematischer zu pflegen als Tiere aus unbekannter Herkunft.

Abgesehen von einem kompletten Bruch mit der Tradition dieser Volkspartei, die sich stets als Anwalt der Freizeitaktivitäten des kleinen Mannes gesehen hat (man denke nur an die Brieftaubenzüchter im Ruhrgebiet), muten diese Forderungen auch juristisch problematisch an:

Die SPD schränkt auf diese Weise das Grundrecht auf freie Selbstbestimmung nachhaltig ein und setzt sich über bestehendes Artenschutz- und Tierschutzrecht hinweg.

Wie dies schon vielfach von so genannten Tierrechtsverbänden propagiert wurde, versucht sich die SPD nun offenbar auf einem Sektor zu profilieren, auf dem mit fundierten Richtigstellungen und Gegendarstellungen nicht gerechnet wird. Die vollkommen einseitige Darstellung verkennt dabei völlig die positiven Aspekte der Exotenhaltung wie die erfolgreiche Durchführung von arterhaltenden Nachzuchtprogrammen in Menschenobhut und die Heranführung und Begeisterung von Kindern und Jugendlichen an den Naturschutz. Vielmehr polemisiert und diffamiert die Darstellung die über 6.700 Mitglieder der DGHT sowie weitere Tausende von Exotenliebhabern zu Tierquälern und -verbrauchern und bemüht irrationale Ängste und Befindlichkeiten gegen diese Tiergruppen in der Bevölkerung.

Peter Buchert, Präsident der DGHT: „Wir fordern alle demokratisch agierenden Kräfte auf zu einem entschiedenen, scharfen Protest gegen diese willkürlichen, wirklichkeitsfernen und rein auf Stimmenfang ausgerichteten Angriffe auf die Tierhaltung in Europa! Wir fordern die SPD auf, derartige Ziele zu überdenken und sich kritisch mit den positiven Argumenten und Fakten, welche nicht auf Mutmaßungen und Unterstellungen basieren, zu befassen. Unterschätzen Sie nicht die Folgen von Beschränkungen von Millionen Tierhalterinnen und -haltern! Missstände bei der Tierhaltung bzw. auf Börsen allerdings müssen rigoros bekämpft werden!

Für diese Anliegen steht die DGHT mit Rat und Tat zur Seite, bei stumpfen Verbotsforderungen von Parteien oder fanatischen Tierrechtlern sagt sie sehr deutlich: Nein!"

Downloads:
Bild 1: Bei sachkundiger Pflege können Schildkröten in Menschenhand sehr alt werden.
Bild 2: Erhaltungszucht stellt in der Terraristik einen wichtigen Faktor dar: Durch Erhaltungszuchtprogramme in Menschenobhut sind schon etliche Arten vor dem Aussterben bewahrt worden.
Bild 3: Terraristik muss auch weiterhin möglich sein.


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