DGHT-Pressemitteilung  


(09.03.2014) „Bild am Sonntag“ fällt auf Organisation Pro Wildlife herein

Die „Bild am Sonntag“ berichtet in einem Artikel vom 09.03.2014* über eine Terraristikbörse. Dieser Artikel ist inhaltlich leider voller Fehler - die Bild-Redakteure wurden offenkundig von Pro Wildlife, namentlich durch Frau Dr. Sandra Altherr, fachlich beeinflusst. Die Bild-Redakteure hätten im Vorfeld prüfen sollen, mit wem sie sich da über das Thema Terraristik unterhalten:
So ist Pro Wildlife e.V. in der Vergangenheit u.a. mit nachweisbar frei erfundenen Horrorstatistiken negativ aufgefallen** und Stiftung Warentest mahnt in ihrem Heft von 12/2013 wegen unzureichender Transparenz und niedriger Organisation und Kontrolle sogar zur Vorsicht vor der durch Spenden finanzierten Organisation!
Frau Dr. Altherrs Kommentar „Reptilien sind alles andere als anspruchslos, sie sind aufgrund ihrer hohen Haltungsbedingungen und Pflege als Haustiere völlig ungeeignet.“, ist schlicht und vollkommen falsch. Natürlich haben alle Heimtiere Ansprüche, aber eine tiergerechte Haltung von Amphibien und Reptilien ist sehr gut möglich, was durch eine Vielzahl von Studien und Publikationen belegt ist. Die Tiere sind sogar so gut haltbar, dass auf der beschriebenen Terraristikbörse nahezu alle angebotenen Tiere Nachzuchten von privaten Züchtern waren!

Die Angabe, dass bis zu 850.000 Reptilien nach Deutschland importiert werden, ist veraltet. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes, wurden im Jahr 2012 404.797 Reptilien importiert – und das ist weniger als die Hälfte. Hierbei handelte es sich überwiegend um Importe aus den USA, zum großen Teil um Nachzuchten.
Beim Lesen des Artikels wird der Eindruck erweckt, dass die Haltung von Amphibien und Reptilien eine Gefahr darstellt. Tatsächlich geht nur von einem verschwindend geringen Bruchteil der in Deutschland gehaltenen Amphibien und Reptilien eine mögliche Gefahr für Menschen aus. Es steht außer Frage, dass es einzelne Tierhalter gibt, die mit der Haltung ihrer Tiere überfordert sind. Unfälle mit Reptilien spielen jedoch – im Gegensatz zu tagtäglich stattfindenden schweren und schwersten Unfällen mit Pferden, Hunden und Katzen – statistisch überhaupt keine Rolle. Dennoch käme sicher niemand auf die Idee beispielsweise eine Pferde- und Reitmesse als „tödlich“ zu bezeichnen oder gar ein Haltungsverbot zu fordern!
Die im Text beschriebene kurzfristige Haltung von Amphibien und Reptilien in Plastikboxen ist in den vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten herausgegebenen Leitlinien für die Durchführung von Tierbörsen unter Gesichtspunkten des Tierschutzes als fachgerecht festgeschrieben***. Auf der Terraristika in Hamm wurde auch am Sonntag die ordnungsgemäße Unterbringung der angebotenen Tiere von Tierärzten und den zuständigen Behörden kontrolliert.

Entgegen den impliziten Angaben im Artikel, erfolgt auf der benannten Börse eine Beratung der – meistens bereits ohnehin sachkundigen – Käufer. Es ist auf der Terraristika zudem verpflichtend in der Börsenordnung vorgeschrieben, dass der Verkäufer zu jedem Wirbeltier eine detaillierte Haltungsbeschreibung auszuhändigen hat. Die Einhaltung dieser Regel wurde von Ordnern überprüft.


Zum Hintergrund:
Verschiedene Tierrechtsorganisationen versuchen - aus ideologischen Gründen - bereits seit Jahren auf unterschiedlichen Wegen die Haltung von „Exoten“ (zu denen bei genauer Definition auch Aquarienfische, Hamster, Meerschweinchen und Wellensittiche gezählt werden müssen) in Zoos und bei Privatpersonen ganz erheblich einzuschränken oder abzuschaffen. Aktuell verfolgen sie dieses Ziel u.a. mit einem Verweis auf Gesundheitsgefahren in der politischen Lobbyarbeit auf Landes- und Europa-Ebene.

Die DGHT e.V. (ein seit 1918 bestehender Zusammenschluss aus Wissenschaftlern, Zoobiologen, Tierärzten und privaten Haltern und weltweit größte Organisation dieser Art) verurteilt dieses Vorgehen scharf und betont, dass die sachkundige Pflege von Terrarientieren durchaus möglich ist und die private Tierhaltung von Reptilien keiner weiteren Einschränkung bedarf.

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie durch unsere Fachleute in der Geschäftsstelle unter 0621-86256490 und auf www.dght.de.

*http://www.bild.de/news/inland/reptilien/hier-schlaengelt-sich-deutschlands-toedlichste-messe-34990220.bild.html
**http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2007/12/02/artenschutzverein-pro-wildlife-erfindet-horror-statistik/
***http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Ausrichtung-Tierboersen.html
***http://www.terraristikahamm.de/content/bo_deutsch.pdf


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