DGHT-Pressemitteilung  


(14.08.2014) NRW will Verordnung zur Gefahrtierhaltung auf den Weg bringen

- Sichere Haltung von Gifttieren ist gut möglich
- Haltung von großen Hunden und Reitsport verursachen hohes Risiko
- Bundesweite Regelungen sind wünschenswert und Verboten weit überlegen

Sommerzeit ist „Exotenzeit“. Medien greifen jetzt dankbar jede gefundene Schlange als Thema auf und betonen reißerisch die Gefahr für die Allgemeinheit. Oftmals werden zu diesen Themen Ansprechpartner von Tierrechtsorganisationen interviewt. Da diese ohnehin die Haltung von Wildtieren ablehnen, tragen sie wenig zu einer sachlichen Diskussion bei, sondern schüren zusätzlich unnötig Ängste. Dies führt unter anderem dazu, dass die Bevölkerung verunsichert wird und Feuerwehren und die Polizei immer häufiger auch zu Funden von einheimischen Schlangen ausrücken müssen.
Wenn die Politik auf dieser Basis Regelungen anstrebt, ist Vorsicht angebracht! Fakt ist, dass die Terraristik eine rund 200-jährige Tradition in Deutschland hat und eng mit der Wissenschaft verwoben ist. Die überwältigende Mehrheit der Gifttierhalter betreut ihre Tiere sicher und tiergerecht.

Ob man potenziell gefährliche Tiere überhaupt halten soll?

Unfälle mit Gifttieren wirken spektakulär- eine Gefahr für die Öffentlichkeit sind sie statistisch jedoch nicht. Viel realer ist die Gefahr, die von vielen tausend Unfällen mit großen Hunden und Pferden ausgeht. Diese „Haustiere“ bergen ein erhebliches Gefahrenpotenzial. So ist beispielsweise Reiten gefährlicher als Motorradfahren, Skifahren und Rugby (Ball et al 2006) und ein Viertel aller tödlichen Sportverletzungen entstehen bei dieser Sportart. Wie regelmäßige Biss- und Kutschenunfälle zeigen, werden durch Hunde und Pferde zudem unbeteiligte Dritte immer wieder gefährdet. Tiere mit einem gewissen Gefahrpotenzial gehören zu unserem allgemeinen Lebensrisiko.

Auch wenn die Gefahr durch die Haltung von potenziell gefährlichen Reptilien gering ist, wünscht sich die DGHT klare Regelungen durch die Politik.

In Nordrhein-Westfalen kam es in den letzten Monaten zu bedauernswerten Unfällen mit Giftschlangen bei Privathaltern. Die Landespolitik will diese Thematik nun aufgreifen und eine entsprechende Verordnung erlassen. Solche Verordnungen liegen mittlerweile in einigen Bundesländern vor. Es hat sich gezeigt, dass Verbote hier keinen Nutzen bringen, da die Tiere dann oftmals in Tierauffangstationen abgegeben, ausgesetzt oder völlig unreguliert gehalten werden.

Die DGHT schlägt daher folgende Regelung für Halter von Gefahrtieren vor:

- Nachweis der Sachkunde für die Haltung von gefährlichen Tieren
- Haftpflichtversicherung

Denkbar könnten zusätzlich sein:

- Nachweis über Zuverlässigkeit des Halters
- Meldepflicht der Gefahrtiere
- Nachweis über sichere und tiergerechte Haltung

Die Experten der DGHT stehen für Rückfragen hierzu gerne jederzeit zur Verfügung, sodass eine Lösung mit Augenmaß gefunden werden kann.

Literatur: Ball CG, Ball JE, Kirkpatrik A, Mulloy R. Equestrian injuries: incidence, injury patterns and risk factors for 10 years of major traumatic injuries. Am J Surgery 2007 May; 193(5):636-640

Zum Hintergrund:

Die DGHT e.V. (ein seit 1918 bestehender Zusammenschluss aus Wissenschaftlern, Zoobiologen, Tierärzten und privaten Haltern und weltweit größte Organisation dieser Art) unterstützt die Belange des Artenschutzes, die wissenschaftliche Forschung und die sachkundige Pflege von Amphibien und Reptilien. Aufgrund ihrer Naturschutzarbeit ist die DGHT zudem als sachverständige Organisation nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) anerkannt

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie durch unsere Fachleute in der Geschäftsstelle unter 0621-86256490 und auf www.dght.de.


[Zurück]