DGHT-Pressemitteilung  


(30.10.2014) Landestierschutzbeauftragte aus Hessen irritiert mit Presseinformation

Die Landestierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Frau Dr. Madeleine Martin, hat am 30.10.2014 eine Presseinformation mit dem Thema „Kritik zu den Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand durch neue Studie der Uni Leipzig bestätigt“ veröffentlicht. In dieser zieht sie eine wissenschaftliche Untersuchung heran um zu belegen, dass bei einem Großteil der gehaltenen Terrarientiere die Haltungsbedingungen ungeeignet seien und eklatante tierschutzrelevante Missstände vorliegen würden.

Die gut gemachte Beobachtungsstudie von PD Dr. Michael Pees und seinem Team gibt einen interessanten Einblick in die tierärztliche Realität und zu haltungsbedingten Erkrankungen bei einigen Reptilien.

Die von Frau Dr. Madeleine Martin getroffenen Schlussfolgerungen lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob die Publikation der Studie (Pees et al 2014) von ihr ausreichend bewertet wurde.

Die Autoren selbst vermerken, dass die Studie nicht repräsentativ sein kann. Ganz besonders ist zu beachten, dass fast ausschließlich kranke Tiere zum Tierarzt gebracht werden. Die gut gehaltenen und gesunden Tiere sehen die Veterinäre in aller Regel nicht in den Praxen. Das Statement der Landestierschutzbeauftragten „Kritik zu den Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand durch neue Studie der Uni Leipzig bestätigt“ ist verallgemeinernd und falsch. Die Untersuchung zeigt aber, dass falsch gehaltene Tiere vermehrt erkranken.

„Dies ist keineswegs verwunderlich und betrifft natürlich auch Katzen, Vögel und Meerschweinchen. Sachkunde benötigt jeder Tierhalter und Untersuchungen bei anderen Tiergruppen würden vermutlich ähnliche Ergebnisse zeigen“, so Dr. Michael Pees, Autor der Studie, gegenüber der DGHT. Erfreulicherweise belegt die Studie sogar, dass sich die Ernährung der Reptilien auf einem guten bis sehr guten Niveau befindet.

„Die Presseinformation von Frau Dr. Martin lädt das Thema Haltung von Wildtieren unnötig weiter emotional auf“, so Peter Buchert, Präsident der DGHT. Die von der Landestierschutzbeauftragten geforderten Verbote sind nicht zielführend. In Ihrer Presseinformation fordert Frau Dr. Martin, dass alle Halter einen verpflichtenden und tierartspezifischen Sachkundenachweis erbringen müssten. Es bleibt abzuwarten ob Frau Dr. Martin diesen Haustierführerschein tatsächlich für alle Tiere, also auch für Nagetiere, Fische, Katzen und Hunde fordern wird.

Konzepte zur Förderung der Sachkunde setzt die DGHT seit Jahren erfolgreich um. Tausende Mitglieder der Gesellschaft (sowie zusätzlich eine weitaus größere Zahl nichtorganisierter Halter) zeigen, wie gut und erfolgreich Reptilien gehalten und nachgezüchtet werden können.

Falschmeldungen führen zu einer immer stärkeren Verunsicherung der Bürger. So führte erst vor zwei Tagen eine Spielzeugschlange auf einem Flachdach in Düsseldorf zu einem Einsatz der Feuerwehr.

Aus Sicht der DGHT wäre wünschenswert, wenn Frau Dr. Martin vor der Erstellung von offiziellen Statements Fachleute zum Thema konsultieren würde.

Literatur:
Pees, M., K. Müller, K. Mathes, R. Korbel, J. Seybold, M. Lierz & M.-E. Krautwald-Junghanns (2014): Evaluierung der Haltungsbedingungen häufig gehaltener Reptilienspezies in Deutschland. - Kleintierpraxis 59(9): 477-491.

Zum Hintergrund:

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) e.V. ist ein seit 1918 bestehender Zusammenschluss aus Wissenschaftlern, Zoobiologen, Tierärzten sowie privaten Haltern und ist die weltweit größte Organisation dieser Art.Sie unterstützt die Belange des Artenschutzes, die wissenschaftliche Forschung und die sachkundige Pflege von Amphibien und Reptilien. Aufgrund ihrer Naturschutzarbeit ist die DGHT zudem als sachverständige Organisation nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) anerkannt.

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie durch unsere Fachleute in der Geschäftsstelle unter 0621-86256490 und auf www.dght.de.

Downloads:
Irritierende Pressemitteilung der hessischen Tierschutzbeauftragten


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