DGHT-Pressemitteilung  


(20.04.2016) Salamanderpilz – Wirksame Strategien statt Schnellschüsse

Vor wenigen Jahren wurde eine neue Amphibienkrankheit entdeckt, der Salamanderpilz Batrachochytrium salamandrivorans. Diese Krankheit befällt Schwanzlurche, darunter populäre Arten wie den Feuersalamander. Der Salamanderpilz hat in einigen Regionen zu starken Populationseinbrüchen geführt und bedroht die einheimische Amphibienvielfalt.

Seit Bekanntwerden des Auftretens des so genannten Salamanderpilzes in Europa besteht eine große Beunruhigung und die Reaktionen von Politik, Behörden und Fachverbänden bislang fallen recht unterschiedlich aus. In diesem Zusammenhang hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) nun eine Arbeitsgemeinschaft aus führenden Experten zur Thematik eingerichtet, die den aktuellen Stand des Wissens zusammenträgt und sich mit der Ausarbeitung von praktikablen Handlungsanweisungen befasst. Hieraus sind bereits konkrete Verhaltensregeln für Privathalter von Molchen und Salamandern entstanden, die online verfügbar sind (www.ag-urodela.de).

„Das Thema ist trefflich geeignet, in populistischer Weise den Import und die Privathaltung von Exoten generell zu diskreditieren, ohne sich eingehend mit den Fakten beschäftigen zu müssen“, so Dr. Markus Monzel, Präsident der DGHT. Da der Pilz sehr wahrscheinlich über den Weg des internationalen Tierhandels in europäische Salamander- und Molchpopulationen gelangt ist, sind auch Handelsregulierungen zu diskutieren. Ein Importstopp sollte dabei aber nur eine zeitlich begrenzte Sofortmaßnahme sein. Dauerhaft zielführender ist, so Monzel, ein kontrollierter Handel mit seuchenhygienischen Untersuchungen beim Import, um so Aufschlüsse über betroffene Arten, Regionen und ggf. andere Quellen zu erhalten, des Weiteren der Aufbau effizienter Strukturen zum Nachweis des Pilzes bei Gefangenschafts- und Freilandpopulationen sowie die Etablierung veterinärärztlicher Behandlungsstrategien und Quarantäneregulierungen“.

Daneben muss auch betont werden, dass viele entscheidende Aspekte noch unklar sind, so beispielsweise das Befallsrisiko für die unterschiedlichen Arten. Auch die auslösenden Faktoren für den tatsächlichen Ausbruch der Infektion sind noch nicht verstanden. Der Erreger könnte nach neuen vorliegenden Daten vielleicht auch schon „unbemerkt“ länger in europäischen Freilandpopulationen vorhanden sein. Des Weiteren mehren sich Hinweise, dass Individuen in Menschenobhut auch langfristig mit dem Pilz überleben, was wiederum die Frage nach Resistenzen und denkbaren Behandlungsmöglichkeiten aufwirft.

Die DGHT nimmt das Thema sehr ernst und möchte die Ursachen der Verbreitung des Salamanderpilzes effektiv bekämpfen und zum Schutz der freilebenden Salamander und Molche beitragen. Dazu sind jedoch keine einfachen und pauschalen Antworten geboten, sondern das Zusammentragen aller vorhandenen Informationen und eine enge Zusammenarbeit von Behörden, Privathaltern, Zoologischen Gärten und Fachverbänden der einzig sinnvolle Ansatz, um langfristig tragfähige Lösung zu erarbeiten. Auch die Ende 2015 verabschiedeten Empfehlungen der Berner Konvention zum Umgang mit dem Salamanderpilz beinhalten einen Mix an Maßnahmen, wobei der Handel einer von vielen Ansatzpunkten einer Gesamtstrategie ist.

Die DGHT hat sich dazu entschieden, die politisch Verantwortlichen auf Bundes- und EU-Ebene mit ihrer Expertise bei der Etablierung effizienter Kontrollsysteme zu unterstützen und steht in engem Kontakt zum Bundesumweltministerium (BMUB) sowie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN).

„Mit unseren Experten erarbeiten wir derzeit ein Positionspapier, um ein fachwissenschaftlichen Maßstäben entsprechendes und zugleich praktikables Konzept zum Umgang mit dieser ernsten Bedrohung unserer heimischen Herpetofauna vorzulegen“, so Monzel abschließend.


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