DGHT-Pressemitteilung  


(30.01.2017) Positivlisten sind Irrweg!

DGHT fordert europäische Tierhalter-Sachkunde und klare Regeln für den Exoten-Import

- der nachhaltige Import von Amphibien und Reptilien schützt Wildbestände
- die Erstellung von Positivlisten widerspricht dem Tierschutz
- es sind europaweit verbindliche Regeln für die Haltung wildlebender Tiere notwendig

In Europa ist die Haltung von exotischen Heimtieren weit verbreitet und verzeichnet große Erfolge. Lobbyisten der Tierrechtsbewegung wollen diese Formen der Haltung aus ideologischen Gründen schrittweise abschaffen. Hierzu werden als Haltungsverbote getarnte Positivlisten propagiert. Das bedeutet, dass nur noch ein sehr kleiner Teil der heute artgerecht gepflegten Tiere gehalten werden darf. Faktisch wäre das ein Ende der privaten Erhaltungszucht, Forschung und erfolgreichen Haltung dieser Tiere. Auch ein Verbot von Importen wird diskutiert - obwohl der nachhaltige Handel Arten, Habitate und die dortige Bevölkerung unterstützt.

Die Zukunft der Tierhaltung

Im Austausch mit den politischen Parteien spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) e. V. für die Einführung eines europaweit einheitlichen Systems zum Nachweis der Sachkunde für die Haltung sogenannter gefährlicher Tiere und bestimmter geschützter Arten aus. Ein Sachkundenachweis ist einfach umsetzbar und geeignet, um eine weitere Qualitätsverbesserung in der Haltung zu erreichen.

�Wir brauchen keine Verbote, sondern eine europaweit einheitliche Tierhalter-Sachkunde mit klaren Qualit�tskriterien. Das Thema muss endlich auf gesamteurop�ischer Ebene angegangen werden, um den mittlerweile v�llig un�bersichtlichen Regelungswust in den einzelnen Mitgliedstaaten und den nachgeordneten Ebenen zu �berwinden und damit auch dauerhaft Rechtssicherheit f�r die Halter zu schaffen�, so Dr. Markus Monzel, Biologe und Pr�sident der DGHT.
Die DGHT fordert eine klare Tierschutz-Richtlinie, die auch den Aspekt der Heimtierhaltung umfasst und dabei hohe Qualit�tsstandards stellt, aber f�r jeden verantwortungsbewussten Halter erf�llbare Rahmenbedingungen setzt. �Diejenigen, die Positivlisten leicht zu haltender Arten von Exoten fordern, lassen jede biologische Sachkenntnis vermissen und haben sich ideologisch verrannt�, so Monzel weiter.

Der Import von Wildtieren ist und bleibt sinnvoll

Die M�glichkeit zum nachhaltigen Import soll aus Gr�nden des Artenschutzes weiterhin m�glich bleiben. Mit CITES steht eine internationale Regelung zum Wildtierhandel zur Verf�gung. Dar�ber hinaus sind Richtwerte f�r den Wildtierhandel w�nschenswert, damit eine Qualit�tssicherung und -kontrolle f�r den Import sogenannter exotischer Arten gew�hrleistet werden kann. Eine denkbare Quotenregelung f�r einzelne Arten muss sich dabei an wissenschaftlichen Ma�st�ben zum Erhaltungszustand der Populationen in den Herkunftsgebieten orientieren. Das Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Wildtierbest�nden kann nur gelingen, wenn die Heimatl�nder der betreffenden Reptilien- und Amphibienarten in diesen Prozess eingebunden werden. Das ist mit Monitoring-Projekten einfach m�glich.

Nur in einer transparenten Partnerschaft zwischen den Akteuren in den Herkunftsgebieten und den Abnehmern innerhalb der EU l�sst sich nach Auffassung der DGHT auch der illegale Wildtierhandel effektiv bek�mpfen. Daf�r stehen bereits jetzt v�llig ausreichende gesetzliche Mittel auf nationaler wie internationaler Ebene zur Verf�gung.

Wer sich f�r simple Import- und Haltungsverbote von Amphibien und Reptilien anstelle einer kontrollierten Einfuhr ausspricht, leistet letztlich auch der Ausrottung von Arten und der unkontrollierten Zerst�rung ihrer Lebensr�ume Vorschub. Denn sobald ein verl�sslicher Absatzmarkt mit kontrollierten Abnehmern fehlt, besteht in den Herkunftsl�ndern kein Grund mehr, die Best�nde in der Natur zu erhalten.
Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung von Wildtierbest�nden kann nur entstehen, wenn die Herkunftsl�nder der Arten auf Augenh�he eingebunden werden. Bei diesem wichtigen, artenschutzrelevanten Thema mit seinen komplexen Fragestellungen m�ssen Naturwissenschaftler der �ffentlichen Forschungseinrichtungen und die politischen Parteien eng zusammenarbeiten. Die unkritische �bernahme von vermeintlichem Datenmaterial der Tierrechts-Lobbyisten muss ein Ende finden. Sonst drohen nach Umsetzung vorschneller Ma�nahmen massive Probleme im Tier- und Artenschutz.


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